Gedanken-Unterseite
Nr. 1!

Meine hier niedergeschriebenen Gedanken setzen sich aus Erinnerungen und Geschehnisse zusammen, die mehr oder weniger Eindrücke in meinen Gedankengängen hinterließen und ev. noch hinterlassen.Vielleicht spielen Sie als Leser dieser meiner Gedanken auch eine Rolle und erkennen sich in der einen oder anderen weise wieder. Wenn das so sein sollte und Sie nicht gewillt sind mit zu spielen, dann lassen Sie es mich wissen. Dann werden Sie als Person natürlich aus meinen niedergeschriebenen Gedanken entfernt. Wünsche allen Lesern (natürlich auch denen,die nicht mitspielen wollen) viel Spaß beim stöbern.


Marcus überlegte...

Marcus überlegte...

Freitag 18.07.2025

Schon lang her...

Die Morgende begannen früh. Noch bevor die Sonne über den Ziegeleiweg kroch, standen wir bereit – eine Kolonne aus zehn oder mehr LKWs, die sich langsam in Bewegung setzte. Die Firma Pages lag etwas abseits vom Stadtkern, kurz vor Lohberg. Es war kein glamouröser Ort, aber für uns war es der Ausgangspunkt vieler gemeinsamer Kilometer. Ich fuhr einen alten MAN-Kippsattelzug, der seine besten Jahre hinter sich hatte, aber zuverlässig war. Neben mir, oft auf derselben Tour, fuhr Markus. Ein junger Kerl mit kräftigem Körperbau und langen, blonden Haaren, die ihm bis über die Schultern fielen. Von hinten hätte man ihn glatt für eine resolute junge Frau halten können – was viele Kollegen auch taten. „Da kommt Willi mit seiner Tussi“, riefen sie lachend, wenn wir gemeinsam auf den Baustellen auftauchten. Wir lachten mit. Es war eine Zeit, in der man sich nicht so leicht kränken ließ. Unser Chef, Bernd Pages, hatte ein Auge für solche Dynamiken. Er merkte schnell, dass wir gut harmonierten, und schickte uns oft gemeinsam los – meist auf Autobahnbaustellen rund um Düsseldorf. Die Ladestelle war fast immer das Kalksteinwerk im Neandertal. Dort luden wir den schweren Kalkstein, der auf den Baustellen gebraucht wurde. Die Maschinen dröhnten, der Staub lag in der Luft, und doch war es eine Welt, in der wir uns wohlfühlten. Wir hatten Funkgeräte in den LKWs – unsere ständige Verbindung. Die Gespräche drehten sich fast immer um Musik. Ich stellte Fragen: „Wer singt das Lied mit dem Refrain …?“ Und Marcus überlegte. „Warte, ich weiß es … warte.“ Erst später erfuhr ich, dass er in solchen Momenten oft seine Mutter anrief – heimlich, über das Siemens S25, das uns morgens vom Chef ausgehändigt wurde. Ein kleines grünes Handy, das heute fast schon wie ein Museumsstück wirkt. Die Tankstellen waren unsere morgendliche Bühne. Wir mussten tanken und Vignetten kaufen, und wenn wir alle gleichzeitig dort auftauchten, blockierten wir die Zapfsäulen wie eine rollende Festung. Die Kassierer schauten genervt, andere Fahrer schüttelten den Kopf – aber wir waren einfach Teil des Alltags auf der Straße. Ich erinnere mich gern an diese Zeit. An das Lachen, die Musikrätsel, die langen Fahrten mit Markus. Es war eine Zeit, in der Freundschaft sich zwischen Baustellenstaub und Funkwellen formte. Eine Zeit, die nicht spektakulär war – aber echt. Und das ist manchmal mehr wert als alles andere.
Na Marcus, wer singt - Born To Be Wild ?


Das abgebildete Foto ist nur ein Beispiel.
So oder so ähnlich sahen die Lkw’s damals aus!


In den Fluren

In den Fluren meines Erinnerungsarchivs

Samstag 26.07.2025

Manchmal sitze ich da und frage mich: Wo zur Hölle steckt das alles, was ich erlebt habe? Die Bilder, die Geräusche, die Gerüche. Das Lachen meiner Mutter im Sommer 1978. Das Zittern vor dem ersten Arbeitstag. Das Licht in Norddeich, das mir fast den Atem raubte. Es ist, als hätte mein Kopf ein altes, verzweigtes Archiv gebaut – mit langen Fluren, vielen Türen, Regalen aus Gedankenholz und stapelweise Erinnerungsfetzen, die mal ordentlich, mal chaotisch herumliegen. Manche Schubladen sind beschriftet: „Kindheit, hell“, „Fehler 2007“, „Abschiede, leise“. Und manche Fächer sind verschlossen. Da liegt etwas drin, das sich nicht ohne Weiteres zeigen lässt. Ich glaube, mein Gehirn speichert nicht linear. Es nutzt Aufhänger. Ein Duft, ein Lied, ein Bild – und plötzlich springt ein Fach auf, das ich jahrelang nicht betreten habe. Dann bin ich wieder mittendrin. Spüre alles. Und frage mich, wie ich das vergessen konnte. Ich will nicht, dass diese Räume verblassen. Ich will, dass sie leuchten, wie Lesezeichen in einem Roman, den ich geschrieben habe, ohne es zu merken. Aber ein Tagebuch? Nein, das wäre zu riesig, zu filigran, zu unübersichtlich. Ich würde mich zwischen den Seiten verlieren. Also bleibe ich bei meinem mentalen Schubladensystem. Ich versuche, jedem Gefühl einen Ort zu geben. Manchmal mit Worten, manchmal mit inneren Bildern. Und wenn ich etwas Schönes brauche – weil draußen alles grau ist –, dann suche ich gezielt: „Hier war Glück, Seite 34, Ordner: Norddeich bei Sonnenuntergang.“

Wo zur Hölle steckt das alles, was ich erlebt habe? Die Bilder, die Geräusche, die Gerüche. Das Lachen meiner Mutter im Sommer 1978.
Ronny - Tief drin im Böhmerwald


Rückblick

Nachts in Ruhrort

Rückblick

Montag 27 August 2007

Es war einer dieser warmen Spätsommerabende, an denen die Nacht sich nicht sofort verdunkelt, sondern langsam über die Stadt kriecht, wie ein sanfter Schleier aus Licht und Schatten. Montag, der 27. August 2007. Ein Tag, der ganz unscheinbar begann – doch sich später in mein Gedächtnis brannte. Gemeinsam mit Rene, meinem treuen Wegbegleiter auf vielen kleinen Abenteuern, hatte ich mich auf eine Fotosafari begeben. Ziel: Ruhrort. Unser Revier für die Nacht. Ruhrort – eine Stadt mit maritimem Herz. Wer hier lebt oder wenigstens oft vorbeikommt, spürt diese besondere Mischung aus Industrie, Geschichte und Flussromantik. Und doch sieht man tagsüber meist nur das Offensichtliche: Kräne, Container, ein geschäftiger Rhein. Aber nachts, da verwandelt sich alles. Schon die Fahrt dorthin hatte etwas Besonderes. Das Brummen des Motors, der warme Wind, die leise Erwartung, die sich in mir breitmachte. Als wir ankamen, lag die Stadt ruhig und gedämpft vor uns, als wolle sie uns ihre geheimsten Winkel zeigen. Kein Lärm, kaum Verkehr – nur der Sound des Flusses und das gelegentliche Motorengeräusch eines Schiffes in der Ferne. Die Hafenlichter spiegelten sich im Wasser wie flackernde Gedanken. Wir zogen durch die Straßen, suchten Perspektiven, hielten inne, wo sonst niemand stehen bleibt. Leere Treppen, rostige Geländer, ein vergessenes Fahrrädchen am Kai. Jede Ecke erzählte ihre eigene Geschichte, und unsere Kameras versuchten, sie einzufangen – manchmal erfolgreich, manchmal nicht. Aber das war egal. Es ging um das Sehen, nicht das Festhalten. Und dann die Schiffe. Die echten Rheinschiffe, diese stählernen Giganten, die bei Tageslicht bloß Logistik bedeuten – bei Nacht aber wie geheimnisvolle Wesen wirken, die den Fluss durchqueren, um Geschichten von fernen Orten zu bringen. Ihre Silhouetten im Dunst, die wenigen beleuchteten Fenster, das langsame Gleiten – all das hatte etwas Magisches. Ich weiß noch, wie ich kurz innehielt und aufs Wasser starrte. Ein Moment, der sich schwer erklären lässt. Eine Mischung aus Staunen, Dankbarkeit und leiser Melancholie. Vielleicht, weil mir bewusst wurde, dass genau solche Augenblicke oft unbemerkt vorbeiziehen – wenn man nicht gerade mit jemandem wie Rene unterwegs ist, der ebenso gerne in der Nacht nach Schönheit sucht. Es war kein spektakulärer Abend im herkömmlichen Sinne. Kein Feuerwerk, kein lautes Lachen, keine Sensation. Aber gerade das machte ihn so wertvoll. Zwei, die ihr Hobby teilten, ein paar Kameras, und eine Stadt, die ihre Geheimnisse für uns öffnete. Danke, Ruhrort. Und danke, Rene – für die Idee, für die Gesellschaft, und für diese Nacht, die sich fest in meine Erinnerung geschrieben hat.







Unser Revier für die Nacht. Ruhrort – eine Stadt mit maritimem Herz.


Rückblick

Norddeich ist wunderschön

Rückblick

Samstag 26 Juli 2025

Erinnerung an Norddeich
Manche Orte berühren einen tiefer, als man erwartet. Norddeich war so ein Ort – nicht spektakulär im Sinne bunter Attraktionen, aber still und auf seine ganz eigene Weise überwältigend. Es war Samstag, der 10. September 2005, als ich frühmorgens aus Walsum mit dem Motorrad aufbrach. Ich wusste nicht viel über Norddeich, nur dass die Nordsee dort beginnt, irgendwo hinter Emden, wo die A31 ins Weite führt. Die Fahrt war ruhig. Kein Stau, kein Regen – als hätte das Wetter gewusst, dass ich etwas suchte, etwas, das ich nicht benennen konnte. Gegen halb eins rollte ich in Norddeich ein. Der Himmel war hell, nicht zu grell, und die Luft roch nach Salz, nach Freiheit, nach einer Zeit, die längst vergangen schien. Ich stieg ab, nahm den Helm ab und stand einfach da – wie jemand, der lange unterwegs war und plötzlich merkt, dass er angekommen ist. Der Blick aufs Meer war so weit, dass er fast weh tat. Weiße Boote tanzten am Horizont, kaum mehr als Punkte, und dennoch spürte ich eine Sehnsucht, die größer war als ich selbst. Es war ein bittersüßer Moment. Dieses Gefühl, das dich mitreißt und gleichzeitig entwaffnet. Ich mag das eigentlich nicht. Es macht mich verletzlich. Aber ich ließ es zu. Ich atmete tief durch, ließ den Wind meine Gedanken durchwirbeln und sog jeden Eindruck in mich auf, als müsste ich ihn für immer konservieren. Denn ich wusste: Solche Tage sind selten. Und wenn der Winter kommt, wenn der Himmel grau ist und die Straßen nass, dann werde ich diesen Tag brauchen – als Rückzugsort, als stilles Leuchten in dunkler Zeit. Ich habe mir damals versprochen, wiederzukommen. Nicht allein, sondern mit ihr – meiner Liebsten. Sie hat einen Traum: einmal aufs offene Meer blicken, dort, wo kein Land mehr zu sehen ist. Und ich will ihr diesen Traum erfüllen. So wie ich mir selbst diesen Tag erfüllt habe – ganz unbeabsichtigt und doch wie eine Fügung. Wir laufen oft blind durchs Leben, schauen nicht nach rechts und nicht nach links. Und plötzlich stehen wir da – an einem Ort, den wir nie gesucht haben und der uns trotzdem findet. Wie konnte ich nur vergessen, wie die Nordsee riecht? Wie konnte ich so lange blind gewesen sein für ihre Schönheit?



Der Himmel war hell, nicht zu grell, und die Luft roch nach Salz,
nach Freiheit, nach einer Zeit, die längst vergangen schien.


Morgenstimmung

Rückblick

Samstag 26.07.2025

Ich bin Willi, 14 Jahre alt, und zum allerersten Mal in meinem Leben trage ich Verantwortung. Nicht für Hausaufgaben oder den kleinen Bruder, sondern für echte Arbeit – auf einem Bauernhof in Schleswig-Holstein. Papa meint, dass man als junger Mann erst die Erde unter den Fingernägeln spüren muss, bevor man die Welt versteht. Und hier bin ich nun, weit weg von Duisburg, auf dem Hof der Familie Hochstein in Aukrug. Die Nacht war kurz, der Schlaf flach. Ich bin früh aufgewacht, als ob mein Inneres genau weiß, dass ein neuer Abschnitt beginnt. Noch ist alles still. Die Kühe dösen, die Hühner gackern leise, und der Nebel liegt wie ein geheimnisvoller Schleier über der Wiese. Ich trete barfuß hinaus – die Grashalme kitzeln meine Füße, sind kühl und feucht vom Morgentau. Vor mir breitet sich die Welt aus wie ein grüner Teppich, und für einen Moment bin ich nicht Arbeiter, sondern Träumer. Die Natur hier ist nicht wie in Duisburg. Kein Lärm, kein Straßenbahnquietschen – nur das Zwitschern der Vögel, ein leises Plätschern vom nahen Bach, und das zufriedene Schnaufen der Tiere. Eine Spinne hat über Nacht ein Netz gewoben, dessen Tautropfen im Sonnenlicht wie winzige Diamanten funkeln. Ich sehe Kühe, ihre Körper dampfen in der kühlen Morgenluft. Es riecht nach Gras, nach Heu, nach etwas Echtem. Ich schließe die Augen und stelle mir vor, ich sei ein Entdecker – ein Forscher in einem Land voller Wunder. Jeder Grashalm, jeder Vogelruf ein Geheimnis. Ein Frosch hüpft plötzlich vor mir ins Wasser, erschrocken über meine Nähe. Ich lache. Es ist ein stilles, ehrliches Lachen – weil ich merke, wie lebendig ich mich gerade fühle. Später werde ich Kühe treiben, Hühner füttern und lernen, wie man eine Mistgabel richtig hält. Noch bin ich unbeholfen, und Herr Hochstein schmunzelt oft, wenn ich versuche, das Heu aufzuladen. Aber es ist okay. Ich will lernen. Ich will wachsen. Und wenn abends meine Hände schmutzig und meine Beine müde sind, weiß ich, dass ich Teil von etwas bin. Am liebsten aber sind mir die Morgen – wie dieser. Sie streicheln meine Seele, schenken mir Ruhe, bevor der Tag mich ruft. Ich bin Willi aus Duisburg, der Tagträumer mit Erde an den Füßen. Und hier, auf dem Hochstein-Hof, beginnt mein eigenes kleines Abenteuer.

Die Kühe dösen, die Hühner gackern leise, und der Nebel liegt wie ein geheimnisvoller Schleier über der Wiese.


Loslassen, um frei zu sein

Freitag 25.07.2025

Nur wenn du dich von allen Abhängigkeiten gelöst hast, kannst du wirklich frei sein. Materielle Güter sind zu ihrer Benutzung da, und alles, was du nicht loslassen kannst, nachdem es seinen Nutzen für dich verloren hat, besitzt dich.

Materielle Güter sind zu ihrer Benutzung da.


Kinderzeit – Elperstraße

Rückblick

Dienstag 26.06.2007

Es war einer dieser stillen Nachmittage, an denen die Zeit stehen bleibt. Mein Cousin Fiddi hat mir ein paar alte Fotos mitgebracht – Bilder aus einer längst vergangenen Welt, die tief in mir schlummert. Sie zeigen uns Kinder, meine Geschwister und mich. Damals, in den frühen 60er Jahren. Vielleicht war's 1960 oder ’61. Unser Garten auf der Elperstraße – der Mittelpunkt unserer kleinen Welt. Ich sehe die Bilder an… und erkenne sie alle. Heidi. Dirk. Ulli. Erhard. Lindi. Susi. Und natürlich mich. Das Gesicht von jedem ist mir so vertraut, als wären wir nie wirklich älter geworden. Die Zeit hat uns gezeichnet, klar – aber die Augen, die Blicke, die kleinen Falten um den Mund… die erzählen noch immer dieselbe Geschichte. Auf einem der Fotos steht Papa mit seiner Tornax – seiner englischen 250er, seinem ganzen Stolz. Ich sitze hinten drauf, und er schaut ernst, aber zufrieden in die Kamera. Wer da noch neben dem Motorrad steht, bleibt ein Rätsel. Irgendwie verschwommen, wie eine Erinnerung, die nicht ganz greifbar ist. Ich überlege… wenn Dirk schon dabei war – unser jüngster – dann waren wir wohl bereits zu zehnt. Zehn Kinder. Eine echte Großfamilie. Es gab nicht viele Familien damals, die so viele Kinder hatten. Vielleicht war das ein bisschen verrückt, aber irgendwie auch besonders. Die Fotos riechen nach Sonne, nach trockenem Gras und dem Öl aus Papas Maschine. Sie erzählen von einem Garten, in dem das Leben wuchs – laut, wild, aber auch geborgen. Und jetzt, viele Jahre später, halte ich sie in der Hand… diese winzigen Ausschnitte aus einem Leben, das so fern scheint und doch so nah ist. Danke, Fiddi. Für diesen Moment. Für dieses Fenster zurück.





„Ich sehe die Bilder an und erkenne sie alle. Heidi. Dirk. Ulli. Erhard. Lindi. Susi. Und natürlich mich.“


Rheinkilometer 789

Rückblick

Donnerstag 25.07.2025

Rheinkilometer 789 – dieser Punkt auf der Karte ist für andere vielleicht nur eine Zahl. Für mich aber ist er voll mit Erinnerungen. Damals, als ich noch ein Kind war, acht, vielleicht zehn Jahre alt, war ich fast täglich dort unterwegs. In Alsum, einem kleinen Dorf, das es heute nicht mehr gibt. Ich habe seinen Verfall miterlebt – Stück für Stück, wie etwas Lebendiges langsam verblasst. Ein Bild hat sich tief in meinem Gedächtnis eingebrannt: ein altes Haus, das irgendwie noch bewohnt wirkte. Das Merkwürdige daran war ein riesiges Rohr – etwa einen Meter im Durchmesser – das mitten durch ein Fenster auf der Giebelseite führte und auf der anderen Seite des Hauses wieder herauskam. Einfach so. Das Rohr kam von der Thyssenhütte, als hätte der industrielle Pulsschlag der Region sich bis ins Herz dieses Hauses gebohrt. Und direkt dort, am Rheinkilometer 789, lag auch die alte Alsumer Müllkippe. Jahre später war ich als LKW-Fahrer für die Hamborner Baufirma Van Wahnem dort unterwegs – jeden Tag mit meinem Dreiachser Kipper den Berg hinauf, um meine Ladung Schutt abzukippen. Ich erinnere mich noch gut: Oben auf der Kippe gab’s einen Raupenfahrer, der uns einwies. Franz – oder besser gesagt, Raupenfranz, wie ihn alle nannten. Er war ein Original, dieser Franz. Mit seiner dicken Maschine winkte er uns so nah wie möglich an den Abgrund heran. Wenn ich rückwärts fuhr, klopfte mein Herz wie wild – das war kein Kinderspiel, sondern echte Nervenprobe. Ich frage mich manchmal, ob Franz wohl noch lebt… eine dieser Figuren, die in der Erinnerung weiterleben, auch wenn man nicht weiß, wie ihr Weg weiterging. Aber oben auf dem Berg – da war die Aussicht einfach wunderbar. Der Blick schweifte über den Rhein, das Vorland, das alles lag mir zu Füßen. Heute kann man auf dem ehemaligen Müllberg spazieren gehen. Der Weg windet sich durch dichte Vegetation, und manchmal fühlt es sich an, als würde man durch einen kleinen Wald wandern. Alles ist zugewachsen – nur die Wege verraten, dass hier mal schwere Maschinen gefahren sind.

„So wie auf dem Foto mit dem Wegweiser sah es in Alsum in den 50er Jahren aus: grau und diesig.“


Jenny – Mein bester Freund auf vier Pfoten

Rückblick

Donnerstag 25.07.2025

Hallo... ich bin Willi. Und heute erzähl ich euch von jemandem, der für mich ein Held war. Kein Superheld mit Umhang, sondern mit Fell. Und Pfoten. Und einem Herz so groß wie der Mond. Unser Hund Jenny – die war nicht einfach nur ein Tier. Sie war... Familie. Eine Freundin, die uns nie verließ, egal ob es regnete draußen oder drinnen im Herzen. Immer war sie da. Immer war sie lieb. 15 Jahre lang war Jenny unser Schatten, unser Clown, unser Trostpflaster, unser Warmmacher, unser „Ich-freu-mich-auf-dich“-Kuschelwunder. Und dabei hat sie nie gefragt, wie wir drauf waren. Ob wir gute Laune hatten oder muffelig waren oder nach Regen rochen – Jenny hat einfach gewedelt. Weil sie uns mochte. Einfach so. Wenn ich morgens die Augen kaum geöffnet hatte, stand sie schon da. Schwanz wie ein Propeller, Augen wie zwei Funkelsterne. Und manchmal hat sie mich angestupst: „He, du Schlafmütze! Aufstehen! Es ist ein neuer Tag – wir könnten was erleben! Vielleicht ein verlorener Socken unter dem Sofa! Abenteuer pur!“ Und wenn ich von der Arbeit kam – müde, kaputt, vielleicht sogar traurig – stand sie da. Als wär sie mein persönlicher Fanclub. Gesprungen, gebellt, gewedelt, gelächelt. So sah es aus. Ich glaube, Jenny konnte lächeln. Und ich glaube, sie hat’s ganz oft getan. Jetzt… jetzt ist sie nicht mehr da. Gestern Dienstag am 29 März 2005 ist Jenny gestorben. Und mein Herz... fühlt sich leer an. Ein bisschen wie wenn man nach Hause kommt und das Licht nicht angeht. Oder wenn der Lieblings-Teddy plötzlich nicht mehr spricht. Man weiß, dass es vorbei ist. Aber man glaubt es nicht. Nicht so richtig. Aber weißt du was? Ich stelle mir vor, dass Jenny jetzt im Hundehimmel ist. Vielleicht rennt sie durch Felder, die nach Leberwurst riechen, vielleicht spielt sie mit Wolken, die wie quietschende Gummienten aussehen. Und vielleicht, ja vielleicht… wartet sie dort auf mich. Und wenn ich einmal ankomme, irgendwann – da steht sie da. Schwanzwedelnd. Mit diesem Blick. Dieses „Du bist da! Ich hab auf dich gewartet!“ Und dann gräbt sie ihre Schnauze unter meinen Arm, wie früher. Damit ich sie streicheln kann. Damit sie weiß: Ich bin jetzt wieder bei ihr. Und bis dahin? Bleibt sie in meinem Herzen. Ganz fest. Für immer.

„Dienstag am 29 März 2005 ist Jenny gestorben.“


Die unglaubliche Isabella-Abenteuerfahrt

Erzählt vom 10 Jährigen Willi

Rückblick

Donnerstag 25.07.2025

Alsooo... passt auf Leute, heute muss ich euch was ganz Besonderes erzählen. Ich hab nämlich ein Auto gesehen – nicht irgendeins, nee, ein Superduper-Oldtimer! Mama sagt, das heißt „Isabella“. Aber für mich war das wie ein Zauberauto aus Opas Geschichtenbuch. Und wisst ihr was? Mein Papa hatte früher genau so eine Isabella! Ein richtig schickes Teil – weißglänzend wie ein Raumschiff und innen roch’s nach Leder und Abenteuer. Papa war sooo stolz auf die Karre, er hat sie immer gestreichelt wie andere Leute ihren Hund. Und sonntags? Da ging’s ab – Ausfluuug! Alle Kinder rein in die Isabella – ich glaub, wir waren hundert oder so. Okay, vielleicht zehn. Aber es fühlte sich an wie ein ganzes Fußballteam im Rücksitz! Mama saß vorne neben Papa, so wie der Kapitän neben seinem Co-Piloten. Und Papa hatte einen Spruch, den wir Kinder schon kannten wie unser Lieblingscomic: „Wenn die Polizei kommt, DUCKEN!“ Und zack! Wir haben uns alle wie Ninjas untereinander geklemmt – voll aufregend! Heute sagt man wohl: nicht ganz verkehrssicher, aber hey, wir waren Profis im Verstecken. Keiner hatte Gurte – außer die guten alten Geschwisterarme, die dich festhalten, wenn du zu sehr rumspringst. Das war halt wie Achterbahn, nur im Auto. Ich schwör, einmal bin ich fast Mama aus Versehen auf den Schoß geplumpst, weil Papa gebremst hat wie bei 'nem Rallye-Rennen! Unser Ziel war immer der Hünxer Wald. Und wenn wir da ausgestiegen sind – das war wie ein Clownauto: Tür auf, Kinder raus, und die Leute gucken: „Was!? Noch einer? Wie viele sind da drin?!“ Ich kam mir vor wie ein Superstar. Der Wald war für uns wie ein Märchenland. Ich hab immer gehofft, dass ein Kobold aus dem Busch hüpft oder ein Eichhörnchen uns zum Schatz führt. Wir sind herumgerannt, haben Baumhöhlen entdeckt, und Papa hat komische Tierspuren erklärt, als wär er ein Wildforscher. Ich hab ihm alles geglaubt – auch wenn’s wahrscheinlich nur Matsch war. Ich denk oft an diese Ausflüge. Damals war alles einfach – warm, laut, wuselig und voller Liebe. Und ehrlich? Manchmal wär ich gern wieder kleiner. Einfach Willi, mit zu kurzen Hosen, verschmiertem Eis auf der Nase und ganz viel Quatsch im Kopf.

„Wenn die Polizei kommt, DUCKEN!“
Papa vor seiner Borgward Isabella


Der Beginn eines Abenteuers - Kapitel 1

Rückblick

Mittwoch 23 Juli 2025

Vorwort

Es war eine Zeit voller Sehnsüchte, voller Neugier und Abenteuerlust. Ich war jung, auf der Suche nach einem Platz in der Welt – und fand ihn auf einem Schiff, das wie ein alter Kamerad durchs Wasser pflügte. Die folgenden Kapitel erzählen keine Heldengeschichte, sondern die Erinnerungen eines Jugendlichen, der den Mut hatte, ins Ungewisse zu gehen – und dabei das Leben fand.

Inhaltsverzeichnis

- Der Beginn eines Abenteuers (Juli 1969)
- Ankunft auf der Möwe 2
- Lernen, Leben und Lachen an Bord
- Unterwegs durch Länder und Leben
- Die Möwe in meinem Herzen

Der Beginn eines Abenteuers (Juli 1969)

Es war Mitte Juli 1969. Ich war gerade mal zarte 17 Jahre alt, unerfahren, aber erfüllt von einem gewaltigen Drang nach Abenteuer. Ich wollte raus – raus aus dem Gewohnten, aus dem engen Elternhaus mit meinen vielen Geschwistern, raus aus Duisburg. Es zog mich in die Ferne: Holland, Belgien oder sonstwohin, Hauptsache weg. Ich hatte in meinem kurzen Leben einfach noch nicht viel gesehen, und das sollte sich ändern. Tag für Tag durchforstete ich die Stellenanzeigen in den Zeitungen, doch nichts schien richtig zu passen. Die Hoffnung auf etwas Neues drohte schon zu verschwinden. Doch dann fiel mir eine Anzeige ins Auge, die wie ein greller Blitz durch meine Gedanken schoss: Die Duisburger Schifferbörse suchte einen Schiffsjungen – für ein relativ kleines Motorschiff mit holländischem Besitzer! Meine Nackenhärchen stellten sich auf. Das war sie – die Gelegenheit. Ich rutschte unruhig auf meinem Stuhl herum und begann sofort, mir auszumalen, wie es wohl wäre: unterwegs auf einem Schiff, ich als Matrose! Die Vorstellung beflügelte mich. Ich dachte an all die Seemannslieder und Geschichten über Matrosen auf hoher See. Ich wollte es einfach wagen. Also machte ich mich auf den Weg zur Schifferbörse – und, man glaubt es kaum: Ich wurde sofort angenommen! Ich, der gerade noch unerfahrene 17-Jährige, war jetzt Teil einer Schiffsbesatzung. Später erfuhr ich, dass der holländische Schiffseigner ohne eine zweite Person an Bord gar nicht hätte weiterfahren dürfen. Doch er wollte nicht lange warten – er musste weiter, um Geld zu verdienen. Also nahm er einfach den ersten, der sich meldete – und das war ich. Für mich passte das wunderbar: Ich wollte Abenteuer, und die Arbeit würde ich schon schaffen – da war ich mir sicher. So wurde ich zum Schiffsjungen auf einem Rheinschiff. Klar war die Umstellung heftig. Ich hatte keine Erfahrung, ließ mich ins kalte Wasser werfen – und das war auch gut so. Das Elternhaus war ohnehin überfüllt, und irgendwie war es auch ein Befreiungsschlag: Ein Mitglied unserer großen Familie wurde endlich flügge.

Benny Neyman - Je Moet Niet Bang Zijn Voor Het Leven

Testfoto

Hier auf dem Foto ist das kleine Motorschiff zu sehen, das in meinen Erzählungen eine wichtige Rolle spielt.Der Schiffsname war „Meeuw 2“.Das Foto habe ich auf einer langen Suche im Internet entdeckt.Im Hintergrund ist übrigens der Loreleifelsen zu sehen.

Ankunft auf der Möwe 2 - Kapitel 2

Ankunft auf der Möwe 2 - Kapitel 2

Rückblick

Donnerstag 24 Juli 2025

Ankunft auf der Möwe 2

Mein erster richtiger Arbeitstag als Schiffsjunge stand bevor, und ich war voller Neugier, Vorfreude und auch ein bisschen Unsicherheit. Ich sollte meinen neuen Arbeitsplatz und den Kapitän kennenlernen. Das Schiff, die Meeuw 2 – was auf Deutsch „Möwe 2“ heißt – war ein niederländisches Motorschiff, nicht besonders groß, 294 Tonnen schwer und ausgestattet mit 165 PS. Aber für mich wirkte es wie ein riesiger Stahlkoloss – ein Tor zur großen Welt. Der Kapitän trug den Namen Frits H. Meuwsen – mit S am Ende seines Vornamens, wie es in den Niederlanden üblich ist. Ich vermute, der Name des Schiffes stammte von seinem Nachnamen. Als ich zum ersten Mal vor der Möwe 2 stand, konnte ich nicht glauben, dass ich hier jetzt mitarbeiten sollte. Ich, der Junge aus Duisburg, sollte nun zum Matrosen werden. Die erste Fahrt ließ nicht lange auf sich warten. Es ging zur Ruhrorter Schrottinsel, zur Firma Sonnenberg – mein erster richtiger Einsatz. Dort lernte ich, wie man ein Schiff festmacht. Und ich sage euch: Mein Herz schlug bis zum Hals. Die Leinen, die Taue, die Rufe – alles war neu, fremd und aufregend. Natürlich waren meine ersten Handgriffe noch etwas holprig. Ich stolperte mehr, als ich ging, und meine Finger schienen plötzlich zwei linke Hände zu haben. Aber irgendwie klappte es – und was soll ich sagen: Der Kapitän ließ ein „Gut gemacht!“ vom Stapel. Das ging runter wie Öl. Wir luden das Schiff randvoll mit Schrott und machten uns auf den Weg in die Niederlande. Ich stand da an Bord, den Wind im Gesicht, das Rattern des Motors in den Ohren – und ich fühlte mich, als wäre ich angekommen. Ich war unterwegs, auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen, mittendrin in meinem ganz persönlichen Abenteuer. Diese Fahrt war der Anfang einer Zeit, die ich nie vergessen werde. Eine der schönsten und unbeschwertesten Etappen meiner Jugend. Und das Beste? Ich durfte oft selbst ans große Steuerrad – und das war für mich wie ein Ritterschlag.

Testfoto

Die erste Fahrt ließ nicht lange auf sich warten. Es ging zur Ruhrorter Schrottinsel, zur Firma Sonnenberg – mein erster richtiger Einsatz.

Lernen, Leben und Lachen an Bord - Kapitel 3

Rückblick

Donnerstag 24 Juli 2025

Lernen, Leben und Lachen an Bord

Die ersten Tage an Bord der Meeuw 2 waren für mich wie eine Mischung aus Schulunterricht und Abenteuerfilm. Ich lernte täglich etwas Neues – und zwar nicht aus Büchern, sondern direkt mit den Händen, mit Muskelkraft und mit einem guten Schuss Improvisation. Es dauerte nicht lange, bis ich mich an Bord zurechtfand. Das Festmachen wurde zur Routine, der Umgang mit dem Kapitän entspannter – und das Schiff war mein neues Zuhause geworden. Frits, der Kapitän, war zwar ein ruhiger Typ, aber er hatte ein trockenes Lächeln auf Lager, wenn ich wieder mal etwas Naives fragte. Wir verstanden uns irgendwie ganz gut – trotz des Altersunterschieds und meiner Unerfahrenheit. Die Arbeit war durchaus fordernd: Schleusen passieren, Ladung sichern, sauber machen – alles gehörte dazu. Aber ich biss mich durch. Ich wollte beweisen, dass ich das packe. Es gab keine langen Pausen, kein Wochenende, keine festen Zeiten – dafür aber Sonnenaufgänge auf dem Wasser, die einem das Herz öffneten. Ich lernte mit der Zeit nicht nur das Handwerk eines Matrosen, sondern auch den Rhythmus des Lebens auf einem Schiff. Und ja – es wurde auch viel gelacht. Wenn ich mir wieder mal das Handtuch statt den Putzlappen schnappte oder mit einem halben Knoten das Schiff „sichern“ wollte, war die Stimmung entsprechend amüsant. Aber das war okay. Ich war jung, lernte schnell – und nahm die Neckereien mit Humor. Die Nächte an Bord hatten auch etwas Magisches: das sanfte Rauschen des Wassers, die Geräusche der Hafenanlagen in der Ferne und mein Kopf voller Gedanken über all die neuen Eindrücke. Manchmal schrieb ich kleine Notizen auf Zettel, die ich in meiner Brusttasche verwahrte – Notizen, die mir später halfen, mich an all das zu erinnern.

Testfoto

Das Festmachen des Schiffes wurde zur Routine und der Umgang mit dem Kapitän entspannter.

Unterwegs durch Länder und Leben - Kapitel 4

Rückblick

Mittwoch 23 Juli 2025

Unterwegs durch Länder und Leben

Mit der Möwe 2 unterwegs zu sein bedeutete, täglich neue Ufer zu sehen. Die Landschaften am Rhein zogen wie ein Kinofilm an mir vorbei: Industrieanlagen, Felder, Brücken und verwitterte Kais. Mal dampfte die Luft von Sommerhitze, mal hing Nebel über dem Wasser wie ein Vorhang.Ich kam das erste Mal ins Ausland – wirklich raus aus Deutschland, hinein in die Niederlande. Die Orte, die wir anfuhren, klangen für mich exotisch: Dordrecht, Rotterdam, Moerdijk. Die Namen prägten sich ein wie Stempel. Ich erinnere mich noch genau an das erste Mal, als wir in einem niederländischen Hafen festmachten – ich konnte kein Wort Niederländisch, aber irgendwie klappte alles. Hände, Blicke und das gemeinsame Lachen waren oft genug.Die Fahrten waren nicht immer leicht. Manchmal schlief ich kaum, weil die Ladung schnell weiter musste. Wir transportierten Schrott, Kohle, Stahlplatten – Dinge, die schwer in der Hand lagen, aber meine Welt leichter machten. Ich lernte, wie man Schiffe trimmt, wie man ein Logbuch führt, wie man sich in Schleusen zurechtfindet. Und mit jedem Handgriff wuchs mein Selbstvertrauen.Ich traf auf andere Schiffsjungen, Matrosen, Hafenarbeiter – Menschen, die vom gleichen Rhythmus lebten: Ankommen, Entladen, Weiterfahren. Man tauschte Geschichten aus, lachte über Missgeschicke, trank mal einen Kaffee am Kai und verschwand wieder in den Strom der Fahrt.Was mir besonders in Erinnerung blieb, war ein kurzer Zwischenstopp in Belgien. Wir lagen für eine Nacht in einem kleinen Hafen, der wie aus der Zeit gefallen schien – Kopfsteinpflaster, alte Werftgebäude, Möwen über dem Wasser. Ich setzte mich mit einem Stück Brot ans Ufer, ließ die Beine baumeln und dachte: "Das hier ist mein Leben jetzt." Und es fühlte sich richtig an.

Testfoto

Mal dampfte die Luft von Sommerhitze, mal hing Nebel über dem Wasser wie ein Vorhang.


Die Möwe in meinem Herzen - Kapitel 5

Rückblick

Mittwoch 23 Juli 2025

Die Möwe in meinem Herzen

Die Meeuw 2 war nicht einfach ein Schiff. Sie war meine erste große Freiheit, mein Klassenzimmer unter freiem Himmel und mein Zuhause auf dem Strom. Ich war jung, voller Neugier und ohne Erfahrung – aber die Möwe nahm mich mit offenen Armen auf. Oft, wenn ich die Hände am Steuerrad hatte, spürte ich eine Verantwortung, die weit über mein Alter hinausging. Ich lenkte nicht nur ein Schiff – ich lenkte mein eigenes Leben. Jeder Kurs, den wir fuhren, war auch ein Kurs, den ich innerlich einschlug. Die Möwe wurde mir vertraut. Ich kannte ihre Geräusche, ihre kleinen Macken, den brummenden Klang des Motors und das leichte Zittern, wenn sie durch eine enge Schleuse manövrierte. Ich wusste, wie ihre Planken rochen, wenn sie sich im Regen vollsogen, und wie sie sich im Sonnenlicht wie ein lebendiges Wesen anfühlte. Mit der Zeit veränderte sich nicht nur mein Blick auf die Welt, sondern auch auf mich selbst. Ich war nicht mehr nur ein Junge aus Duisburg – ich war jemand, der wusste, wie man anpackt, der Verantwortung übernimmt, der auch mal improvisiert, wenn der Plan nicht funktioniert. Und vor allem: Jemand, der etwas erlebt hat. Auch wenn die Jahre vergangen sind und die Meeuw 2 vielleicht längst nicht mehr fährt, fährt sie doch weiter – in mir. Immer wenn ich am Rhein entlangspaziere und ein Schiff sehe, muss ich lächeln. Es war nur ein kleiner Moment in der großen Geschichte der Welt – aber für mich war es der Beginn meiner eigenen Reise. Die Möwe hat mir Flügel gegeben.

Testfoto

Jeder Kurs, den wir fuhren, war auch ein Kurs, den ich innerlich einschlug. Die Möwe wurde mir vertraut.

Die Möwe in meinem Herzen - Nachwort

Nachwort

Rückblick

Mittwoch 23 Juli 2025

Die Möwe in meinem Herzen

Man sagt, die Jugend sei ein Sturm. Für mich war sie ein Fluss – der Rhein – und ich mittendrin, auf einem Schiff, das mehr war als nur Transportmittel. Die Meeuw 2 hat mir nicht nur Länder gezeigt, sondern Lebenslektionen geschenkt. Die Zeit an Bord war manchmal hart, oft komisch und immer echt. Wenn ich heute zurückblicke, dann sehe ich den Jungen von damals noch ganz klar vor mir: schmal gebaut, mit großen Augen, einem Herz voller Sehnsucht und einer gehörigen Portion Mut. Ich sehe ihn am Kai stehen, die erste Leine in der Hand, das erste Kommando im Ohr – und ein ganz neues Leben vor sich. Manche Abenteuer brauchen keine großen Heldentaten – es reicht, wenn man sich traut. Ich habe mich getraut. Und ich bin dankbar dafür. Diese Geschichte ist nicht nur für mich geschrieben. Sie ist für meine Frau, meinen Sohn, für Anne, meine Enkel und alle, die sich fragen, ob man mit 17 schon etwas bewegen kann. Man kann. Und manchmal reicht ein kleiner Schritt – oder eine Schiffsschraube – um die Welt ins Rollen zu bringen.

Testfoto

Ich war jung, voller Neugier und ohne Erfahrung – aber die Möwe nahm mich mit offenen Armen auf. Ich lenkte nicht nur ein Schiff – ich lenkte mein eigenes Leben.

Belichtungsreihen

Belichtungsreihen

Rückblick

Montag 22.07.2025

Stell dir vor, es ist Sommer 2007. Die Tage sind lang, die Sonne steht grell am Himmel – und ich stehe da mit meiner Canon EOS 400D in der Hand. Eine Kamera, die damals für mich mehr war als nur Technik – sie war mein Werkzeug, meine Abenteuerbegleiterin, mein Auge für das Besondere im Alltäglichen. Ich erinnere mich noch gut: Die EOS 400D hatte was drauf. Nicht übertrieben, aber solide. Und ich wollte damit nicht einfach nur Fotos machen – ich wollte Stimmungen einfangen, Licht verstehen, mit Bildkompositionen spielen. Zwei dieser Aufnahmen, die ich damals gemacht habe, seht ihr hier. Was sie besonders macht, ist das Licht… oder besser gesagt: das Gegenlicht. Die Sonne knallte von hinten aufs Motiv, und genau da wurde es spannend. Gegenlichtaufnahmen sind wie ein Tanz auf Messers Schneide. Der helle Himmel kann den Belichtungsmesser der Kamera ganz schön durcheinanderbringen – und ehe man sich versieht, ist das Bild überbelichtet, der Kontrast futsch, und man steht da mit einem „fast guten“ Foto. Fast. Aber das reichte mir nicht. Zum Glück bot die EOS 400D eine Funktion, die ich damals für mich entdeckte: die Belichtungsreihen. Eine clevere Option, bei der die Kamera nicht nur ein Bild schießt, sondern gleich drei – eines normal belichtet, eines unterbelichtet und eines überbelichtet. Das klingt erstmal nach Spielerei, aber genau mit diesen drei Aufnahmen konnte ich später etwas richtig Gutes machen. Ich setzte die Belichtungsreihe ein und übergab die drei Fotos dem Programm Photomatix Pro. Dort wurden sie zusammengerechnet, übereinandergelegt, und heraus kam ein neues Bild, das aus allen Belichtungsstufen die besten Elemente zusammenführte. Ein bisschen Magie – und ein bisschen Technik. Und ich muss sagen: Ich finde, die Fotos sind gelungen. Aber schaut selbst – klickt euch rein und seht, was eine Kamera, ein bisschen Licht und der Wille zur Gestaltung ausmachen können.Leider habe ich die Originalfotos nicht mehr und nur zwei verkleinerte Abbildungen auf meiner Festplatte gefunden. Die Originalen Fotos waren wirklich toll. Schade. Die Fotos sind damals in unserem Garten entstanden.

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Die EOS 400D hatte was drauf. Nicht übertrieben, aber solide.


„Erste Baustelle – Erste Enttäuschung“

Rückblick

Mittwoch 25.05.2005

Ich erinnere mich noch genau. Ich war vierzehn, voller Hoffnung und ein bisschen Nervosität. Die Welt lag mir irgendwie zu Füßen, auch wenn ich nicht wusste, wo sie mich hinführen würde. Arbeit wollte ich – brauchte ich. Und Dieter, mein bester Freund, war wie immer mit am Start. Zusammen stapften wir zum Hülsermannshof, zum Straßenbaubetrieb Johann Zimmermann. Es ging erstaunlich schnell – plötzlich waren wir Straßenbauhelfer. Keine Vorstellung, kein Plan, nur Neugier und ein bisschen jugendlicher Übermut im Gepäck. Am nächsten Morgen standen wir also auf dieser Baustelle in Walsum. Ich weiß bis heute nicht genau, wo sie war – irgendwo bei Kluge, da sollte ein Tennisplatz entstehen. Dieter und ich alberten rum, lachten, und versprachen uns gegenseitig: Wenn’s nix ist, sind wir schneller weg als der Beton trocknet. Und dann kam er. Dieses Goggomobil – klein wie ein Schuhkarton auf Rädern, hupend und wild gestikulierend. Ein Mann stieg aus, schien mehr Arme als Luft zu haben, und rief uns panisch „Mitkommen!“. Wir kicherten noch: Was für ’ne Karre, und was für ein Vogel. Aber gut – wir stiegen ein, zu dritt in dieses Zwergenauto, das mehr schepperte als rollte. Die neue Baustelle war auch in Walsum, angeblich sollten wir dort „richtig“ anfangen. Der Typ im Goggomobil stellte sich als unser Vorarbeiter vor. Na bravo. Wir grinsten uns zu: „Der verdient bestimmt Millionen, wenn er sich so einen Luxuswagen leisten kann.“ Dann gab’s Harken, Schaufeln, Schubkarren – und wir sollten Schotter verteilen. Einfach drauflos, ohne Erklärung. Und wie erwartet: Der Vorarbeiter war nur am Meckern. Kaum hatten wir was gemacht, war's schon falsch. Dann endlich Mittagspause. Die anderen packten ihre Brote aus – wir auch. Doch bevor das erste Stück überhaupt den Weg zum Mund fand, hallte es von hinten: „Pause gibt’s erst, wenn der Haufen weg ist!“ Mir stieg die Wut ins Gesicht. Wie bitte?! Wir schuften, schwitzen – und das? Ich war jung, impulsiv und stolz. Ich warf ihm die Harke vor die Füße und schnauzte ihn an: „Leck mich, du Penner!“ Das war’s für mich. Dieter wollte bleiben. Ihm schien das Ganze zu gefallen, auf eine seltsame Art. Ich dagegen stampfte zur Firma zurück, wollte wenigstens für meine sechs Stunden bezahlt werden. Doch was bekam ich? Einen Vortrag über Arbeitsmoral – und den Rat, mich besser nicht wieder blicken zu lassen. Heute lache ich darüber. Aber damals... das war meine erste Lektion im Arbeitsleben. Hart, ehrlich – und unverzichtbar. Und Dieter? Ich glaube, der war noch jahrelang bei Zimmermann.

Aber gut – wir stiegen ein, zu dritt in dieses Zwergenauto, das mehr schepperte als rollte.
Fredl Fesl - Der Königsjodler


Über den Deich in Haffen richtung Rees

Über den Deich in Haffen richtung Rees

Rückblick

Samstag 29 Oktober 2005

Schon lang her...

Es war Ende Oktober, aber das Wetter spielte verrückt – auf eine gute Art. 22 Grad, Sonne, ein bisschen Herbstwind, aber trocken wie im Bilderbuch. Da konnte man einfach nicht drinnen bleiben. Meine Yamaha DragStar 650 stand bereit, vollgetankt und voller Tatendrang. Sie brummte leise vor sich hin, als würde sie mir zuflüstern: "Komm, lass uns losfahren."Also rauf aufs Moped und ab auf die Deichstraße Richtung Rees. Die Kurven – ein Gedicht. Du nimmst sie nicht einfach, du erlebst sie. Jeder Meter erzählt seine eigene kleine Geschichte, und die DragStar schnurrt dabei wie ein zufriedenes Raubtier. Die Luft war klar, dieser feine Duft nach Laub, Erde und frisch gemähtem Gras – das geht durch und durch.Und dann dieser Moment, der alles ändert: Ein Abzweig von der Deichstraße, unscheinbar, fast übersehen – aber ich bin neugierig. Der Weg führt zur Kiesgrube, und gleich am Anfang steht ein Schild: „Naturschutzgebiet“. Ich bremse, lasse das Bike ausrollen und steige ab. Es ist still, fast magisch. Blässhühner gleiten übers Wasser, Enten schnattern leise, und irgendwo hört man die Wildgänse. Sie sammeln sich für den Flug in den Süden, und der Himmel formt aus ihnen diese riesige, elegante Eins. Da steh ich nun, der Helm unterm Arm, und träume kurz mit ihnen. Flügel müsste man haben – einfach abheben, mitziehen, dem Sommer hinterher. Der Gedanke ist schön und traurig zugleich. Und plötzlich spür ich, wie sehr man sich wünscht, dass alles gut bleibt – für die Vögel, für die Welt, für das Leben. Dann zurück zur Yamaha. Sie wartet treu wie ein alter Freund. Ich steige auf, drehe den Zündschlüssel und fahre weiter. Nicht Richtung Süden – aber mit einem Gefühl, als wäre ich kurz dort gewesen.

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Sie brummte leise vor sich hin, als würde sie mir zuflüstern: "Komm, lass uns losfahren."

Schnee wäre schön

Schnee wäre schön

Rückblick

Samstag 30 Dezember 2006

Schon lang her...

Ich sitz hier, schau raus in den grauen Himmel und spür, wie die Hoffnung auf weiße Weihnachten langsam im Regen ertrinkt. Es ist, als hätte Petrus dieses Jahr andere Pläne – und mein Wunsch nach Schneeflocken auf Feldern und Wiesen wurde einfach überhört.Ich denk zurück. Damals, zum Jahreswechsel 2004 auf 2005 – das war ein Winter, wie man ihn sich in Kinderbüchern vorstellt. Schneefall aus allen Wolken, wie aus einem übermütigen Himmel. In wenigen Stunden lagen rund 20 Zentimeter Neuschnee, als hätte jemand einen weißen Teppich ausgerollt. Die Straßen waren voll von Menschen – lachend, staunend, manchmal einfach still, als wollten sie den Moment nicht stören. Schneemänner standen wie kleine Wächter an jeder Ecke, und die Kälte wurde plötzlich nebensächlich. Was zählte, war das Leuchten in den Augen.Und Jenny – unsere kleine, tapfere Hündin. Sie war damals schon 15, aber im Schnee blühte sie nochmal richtig auf. Ich seh sie noch vor mir, wie sie mit ihrer Schnauze wie ein Mini-Schneepflug durch die weiße Masse pflügte. Glücklich, verspielt, ein bisschen verrückt. Doch irgendwann blieb sie einfach stehen, ganz ruhig, als hätte sie genug Wunder für einen Tag erlebt. Da haben wir sie auf den Arm genommen und heimgetragen – wie ein Schatz, den man schützt. Zu Hause: Wanne, warmes Wasser, Handtuch – und ein Blick in ihre Augen, der sagte: „Das war mein Wintermärchen.“ Wenn ich daran zurückdenke, wird mir klar: Schnee kann mehr als nur kalt sein. Er verändert die Welt. Die Menschen. Die Stimmung. Lässt Erinnerungen aufsteigen, die wir längst vergessen glaubten.Und ja – ich wünsche mir wieder Schnee. Und Jenny. Ganz besonders Jenny. Vielleicht schaut sie jetzt irgendwo von oben runter, sieht sich selbst im Schnee spielen und denkt: „Das war mein schönster Spaziergang.“


Und Jenny, wie sie mit ihrer Schnauze wie ein Mini-Schneepflug durch die weiße Masse pflügte.


Auf nach Rees

Auf nach Rees

Rückblick

Samstag 10 Juni 2006

Schon lang her...

Also, ich steig auf meine BMW, der Tank ist voll, der Motor summt wie ’ne zufriedene Katze. Und dann geht’s los – Richtung Rees. Die Straßen? So sauber, dass man fast meint, sie hätten extra für Motorradfahrer poliert. Aber ich bin keiner fürs Rasen. Ich lass mir Zeit, dreh gemütlich am Gas, weil man nur so das echte Gefühl mitnimmt.Wenn du auf dem Motorrad sitzt, spürst du alles – den Fahrtwind, die Sonne, das Leben. Kein Blech drumherum, nur du, die Maschine und die Straße. Es riecht nach frisch gemähtem Gras, überall liegen Heuballen auf den Feldern, und die Bauern sind in voller Aktion. Man fühlt sich fast wie Teil dieser Landschaft, nicht nur wie ein Besucher. Die frische Luft strömt direkt unter den Helm und macht den Kopf frei, als würde sie den Alltag einfach rausspülen. Die BMW läuft wie ’ne Eins, als wär sie heute besonders gut gelaunt. Sie trägt mich durch Orte, die nicht nur schön aussehen, sondern sich auch gut anfühlen. Manchmal braucht’s nicht viel: ein Motorrad, eine offene Straße und ein Morgen, der die Seele streichelt.Ja, das war so ein Tag, bei dem die Welt stiller und zugleich intensiver wirkt – und du merkst: Genau deswegen fährst du Motorrad.

Testfoto Testfoto
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Ich lass mir Zeit, dreh gemütlich am Gas, weil man nur so das echte Gefühl mitnimmt.


Auf nach Norddeich

Auf nach Norddeich

Rückblick

Samstag 5. November 2005

Schon lang her...

Also, wir wollten einfach mal raus – Schluss mit Alltagsstress, Norddeich war das Ziel. Die Idee? Meine Liebste sollte endlich mal die Nordsee sehen. Dieses endlose Wasser, das sich mit dem Horizont verbindet... allein dafür hat sich die Fahrt gelohnt. Das Wetter? Sonnig und trocken – perfekt. Wir steigen ins Auto, alle bereit, und ich gucke nach vorne. Was seh ich? Nur ein paar graue Stoppel über der Nackenstütze. Der Gute scheint mit über 50 schon ein bisschen zu schrumpfen. Sah aus, als wär er hinter’m Steuer verschwunden. Kurz dachte ich: „Ob das noch gutgeht?“ Aber hey, ich weiß, wie der fährt – also einfach vertraut und los. Dann kam mein großer Moment: Ich hol das Navi raus, mach einen auf Technikguru – Navigation deluxe. Problem war nur... das Ding wollte dauernd abbiegen – in Straßen, die es nicht gibt! Einmal sollten wir auf ’nen Acker fahren, glaub ich. Die Satelliten da oben schienen in Ostfriesland ein bisschen verwirrt zu sein. Also Navi aus, zurück in die Tasche. Seitdem war’s nur noch Thema für Spott und Gelächter. Trotzdem: Wir haben die A31 genommen, geradeaus, kein großes Hexenwerk – und zack, Norddeich. Ohne Navi, aber mit jeder Menge guter Laune.

Nur ein paar graue Stoppel über der Nackenstütze.


Ein vergilbtes Foto in der Hand

Ein vergilbtes Foto in der Hand

Rückblick

Sonntag 20.07.2025

Schon lang her...

Ein vergilbtes Foto in der Hand, der Duft alten Papiers, und plötzlich öffnet sich die Tür zu einer längst vergangenen Zeit. Da steht er, mein Citroën 11B – majestätisch, eigenwillig, ein bisschen verrückt. Ein Wagen, den man nicht einfach fährt, sondern erlebt. Ich sah ihn zum ersten Mal auf einer Tour mit unserem betagten Ford 17M, irgendwo in Wesel an der B8 – bei einem kleinen Autohändler, zwischen rostigen Karossen und windschiefen Verkaufsschildern. Doch dieser Citroën stach heraus wie ein Relikt aus einer anderen Ära. Der Gangsterwagen, sagten manche – mit seinen Rundungen und dem unverkennbaren Gesicht aus Chrom und Charakter.Ich war sofort hin und weg. So sehr, dass ich noch in derselben Woche den Kaufvertrag unterschrieb – eine Entscheidung aus dem Bauch, vom Herzen diktiert. Ich glaube, es war mein Schwager ,der mich mit einem Abschleppseil und viel Geduld zum Parkplatz bei Herti in Dinslaken fuhr. Dort warteten wir auf Rosi. Sie kam, sah... und staunte. Ob sie kurz dachte, ich hätte den Verstand verloren? Vielleicht. Aber sie sagte nichts – nur ihr Blick sprach Bände. Liebe lässt eben Raum für ein bisschen Verrücktheit.Der Heimweg war ein kleines Abenteuer. Wir schlepp­ten das monumentale Stück Automobilgeschichte bis zum Haus meiner Eltern und schoben ihn in die Garage, wo er wie ein träumendes Tier schlummerte. Ich hatte große Pläne, wollte ihn neu erwecken – den Charme bewahren, das Herzstück reparieren. Und immerhin: der Motor sprang irgendwann tatsächlich wieder an. Doch der Rest war ein Drama aus Rost, kaputtem Blech und einem völlig durchgerosteten Unterboden.Die Vision war da, aber die Wirklichkeit siegte. Zu viel Arbeit, zu wenig Mittel – der Traum blieb im Standgas hängen. Lange stand er dort, still und stumm, bis ich ihn schweren Herzens weiterverkaufte. Mit Verlust, ja – aber auch mit einer Geschichte, die mir geblieben ist.

Ich war so stolz auf den Citroën 11B.


Etwas in eigener Sache.

Das Recht am eigenen Bild.

Sonntag 20.07.2025

Wenn ich hier auf meiner Webseite Beiträge veröffentliche, also ins Internet stelle und über Menschen berichte und Fotos dazustelle, dann tue ich es nur mit Zustimmung der Personen. Also ich benötige zur Veröffentlichung von Fotos, auf denen ihr abgebildet und mit der heutigen Person erkennbar und vergleichbar seid, eure Zustimmung. Fotos aus längst vergangenen Zeiten, die euch mit der heutigen Person nicht direkt oder sofort vergleichbar oder erkennbar machen, schließe ich aus. Ich veröffentliche nur Fotos, die euch nicht schlimm oder ev. dumm dastehen lassen. Also eine kurze Nachricht von euch wäre angebracht. Ansonsten werden keine Fotos von den Personen, die in den Beiträgen mitspielen, veröffentlicht. Danke im Voraus.

Danke im Voraus für eure Zustimmung und viel Spaß beim Lesen.


Ein Sommertag im Jahr 1960

Ein Sommertag im Jahr 1960

Rückblick

Sonntag 20.07.2025

Schon lang her...

Der Garten unseres Elternhauses war wie ein lebendiger Kosmos voller Fantasie: neben mir noch neun Geschwister, lachend, rufend, tobend – ein ganzer kleiner Stamm, der die warmen Nachmittage mit Spielen füllte. Ich, gerade sieben oder acht Jahre alt, hatte die ehrenvolle Aufgabe, auf den kleinen Erhard aufzupassen – zarte drei Jahre alt, mit großen Augen und einem unerschöpflichen Entdeckergeist. Der Brunnen war unser Lieblingsort. Er strahlte etwas Magisches aus, ein Quell von Geheimnissen und kühlem Wasser, das in der Sommersonne funkelte. Dort saß ich mit Erhard, mischte Karten, während um uns das Lachen der anderen Kinder wie Musik klang. Doch wie das Leben so spielt, genügte ein Moment der Unachtsamkeit – und das Spiel nahm eine gefährliche Wendung. Ich sah ihn nur noch aus dem Augenwinkel – wie er sich über den Rand beugte, das Gleichgewicht verlor – und kopfüber in die Tiefe stürzte. Seine Beine ragten wie zwei kleine Flaggen in die Luft, ein groteskes Bild, das sich tief in mein Gedächtnis einbrannte. Ich zögerte nicht. Mit einer Mischung aus Panik und Entschlossenheit zog ich ihn hinaus, Wasser strömte aus seinem Mund, er hustete, weinte, strampelte – aber er lebte. Mein Herz schlug bis zum Hals, und die Schuld nagte leise an mir, obwohl ich das Richtige getan hatte.Am nächsten Tag war der Brunnen still. Ein schweres Brett lag über der Öffnung, beschwert mit einem großen Stein. Keine Worte, keine Vorwürfe – nur diese stumme Geste, die sprach: „Wir wissen Bescheid.“ Und ich dachte nur: Gott sei dank, dass alles noch einmal gut ausgegangen ist.

Mein Bruder Erhard so ca. 2-3 Jahre alt am Brunnen!


Ein Oldtimer von NSU

Ein Oldtimer von NSU

Rückblick

Samstag 19.07.2025

Schon lang her...

Ich war so ca. 20–22 Jahre alt und hatte einen NSU TT. Für damalige Zeiten ein Traumauto mit sportlichem Fahrwerk. Klein, kompakt und genügend PS unter der Haube. Ich liebte diesen Wagen. Er versprach Spaß und Freiheit pur. Am 16 Juli 2005 damals an der Rheinfähre sah ich einen NSU TT, der obendrein auch noch gepflegt aussah. So ca. über 50 Jahre ist es schon her. Erinnere mich an folgendes Ereignis mit dem NSU TT. War mal wieder mit dem NSU unterwegs und hatte Rosi auf dem Beifahrersitz. Hinten auf der Sitzbank in einer Baby-Tragetasche lag unser Sohn. Er war so ca. 3 Monate alt. Wir fuhren von Lohberg kommend in Richtung Walsum und bemerkten auf einmal, dass hinten am Wagen etwas nicht stimmte. Wir hielten am rechten Straßenrand an und sahen die Bescherung. Das Sicherungsblech am rechten Hinterrad hatte sich gelöst und die große Radmutter war abgefallen und lag zusammen mit dem Sicherungsblech in der Radkappe. Als ich den Wagen mit dem Wagenheber anhob, fiel das Hinterrad einfach ab. Wenn wir heute daran denken, müssen wir nur lachen, obwohl uns damals nicht zum Lachen zumute war.

Testfoto

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Ich liebte diesen Wagen. Er versprach Spaß und Freiheit pur.


Info zur musikalische Untermalung!

Info zur musikalische Untermalung!

Samstag 19.07.2025

Leider ist es nicht erlaubt, Musikstücke ohne eine GEMA-Lizenz auf privaten Webseiten abzuspielen. Die GEMA ist zuständig für die öffentliche Wiedergabe von Musik. Das bedeutet, dass Musik in Räumen oder an Orten, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind, unter die GEMA-Pflicht fällt. Also: Wer Musik öffentlich nutzt, muss eine Lizenz von der GEMA erwerben, um die Urheberrechte der Musik zu nutzen! Solch eine Lizenz ist kostenpflichtig und die besitze ich leider nicht!

Musik darf ohne Genehmigung des Urhebers leider nicht abgespielt werden!


Marcus überlegte...

Marcus überlegte...

Rückblick

Freitag 18.07.2025

Schon lang her...

Die Morgende begannen früh. Noch bevor die Sonne über den Ziegeleiweg kroch, standen wir bereit – eine Kolonne aus zehn oder mehr LKWs, die sich langsam in Bewegung setzte. Die Firma Pages lag etwas abseits vom Stadtkern, kurz vor Lohberg. Es war kein glamouröser Ort, aber für uns war es der Ausgangspunkt vieler gemeinsamer Kilometer.Ich fuhr einen alten MAN-Kippsattelzug, der seine besten Jahre hinter sich hatte, aber zuverlässig war. Neben mir, oft auf derselben Tour, fuhr Markus. Ein junger Kerl mit kräftigem Körperbau und langen, blonden Haaren, die ihm bis über die Schultern fielen. Von hinten hätte man ihn glatt für eine resolute junge Frau halten können – was viele Kollegen auch taten. „Da kommt Willi mit seiner Tussi“, riefen sie lachend, wenn wir gemeinsam auf den Baustellen auftauchten. Wir lachten mit. Es war eine Zeit, in der man sich nicht so leicht kränken ließ. Unser Chef, Bernd Pages, hatte ein Auge für solche Dynamiken. Er merkte schnell, dass wir gut harmonierten und schickte uns oft gemeinsam los – meist auf Autobahnbaustellen rund um Düsseldorf. Die Ladestelle war fast immer das Kalksteinwerk im Neandertal. Dort luden wir den schweren Kalkstein, der auf den Baustellen gebraucht wurde. Die Maschinen dröhnten, der Staub lag in der Luft, und doch war es eine Welt, in der wir uns wohlfühlten. Wir hatten Funkgeräte in den LKWs – unsere ständige Verbindung. Die Gespräche drehten sich fast immer um Musik. Ich stellte Fragen: „Wer singt das Lied mit dem Refrain…?“ Und Marcus überlegte. „Warte, ich weiß es… warte.“ Erst später erfuhr ich, dass er in solchen Momenten oft seine Mutter anrief – heimlich, über das Siemens S25, das uns morgens vom Chef ausgehändigt wurde. Ein kleines grünes Handy, das heute fast schon wie ein Museumsstück wirkt. Die Tankstellen waren unsere morgendliche Bühne. Wir mussten tanken und Vignetten kaufen, und wenn wir alle gleichzeitig dort auftauchten, blockierten wir die Zapfsäulen wie eine rollende Festung. Die Kassierer schauten genervt, andere Fahrer schüttelten den Kopf – aber wir waren einfach Teil des Alltags auf der Straße. Ich erinnere mich gern an diese Zeit. An das Lachen, die Musikrätsel, die langen Fahrten mit Markus. Es war eine Zeit, in der Freundschaft sich zwischen Baustellenstaub und Funkwellen formte. Eine Zeit, die nicht spektakulär war – aber echt. Und das ist manchmal mehr wert als alles andere.
Na Marcus, wer singt - Born To Be Wild ?

Das abgebildete Foto ist nur ein Beispiel.
So oder so ähnlich sahen die Lkw’s damals aus!


Öfter mal reinschauen.
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Feil